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„Männer kommunizieren nicht, sie führen Monologe vor Publikum“

Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch – so der Volksmund. Dabei helfen die Monologe von Chefs heute wenig. Die Herrschaften sollten Kommunikation nicht als Einbahnstraße verstehen – und von Frauen lernen. Denn gerade die Art, wie Chefs Arbeitsaufträge erteilen, hinterfragen und moderieren – oder auch nicht – prägt nicht nur die Leistung des Teams: In den sich verändernden Anforderungen der Arbeitswelt wird es immer wichtiger, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Bei männlichen Chefs erinnert die Kommunikation an eine Einbahnstraße. Sie geben ihre Anweisung in Richtung Mitarbeiter und erwarten keine Widersprüche oder gar Gegenverkehr. Er sagt: „Frau X, machen Sie bitte die Unterlagen fertig.“ Ende der Durchsage. Männer gehen davon aus, dass ihre Direktiven sofort umgesetzt werden. Und bei Problemen wollen sie ungern diskutieren und lassen deshalb in der Kommunikation auch keinen Raum dafür. Er sagt: „Herr Y, so können Sie dieses Problem nicht lösen, überlegen Sie sich einen alternativen Weg.“ Auch Kritik wird von männlichen Chefs als Einbahnstraße formuliert. „Frau Z., ich habe Ihnen doch schon mehrfach mitgeteilt, dass Sie die Präsentation korrigieren müssen, ich erwarte, dass Sie dies erledigen.“

Männer halten Monologe, Frauen fragen nach

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Richtig kommunizieren: Nachfragen und Dialog bringen Ihr Team und Sie selbst wesentlich weiter. (Bild: © Kzenon | fotolia.com)

Männer denken, sie kommunizieren, aber tatsächlich führen sie hauptsächlich Monologe vor Publikum. Dieser vertikale Stil endet in der digitalen Arbeitswelt jedoch über kurz oder lang in einer Sackgasse. Von oben nach unten kommunizieren das reicht heute nicht mehr. Wo nur über Anweisungen geführt wird, herrscht keine echte Vernetzung, also kein Miteinander auf horizontaler Ebene. Die Leistung des Teams wird nicht als bedeutend hervorgehoben. Für Männer ist vor allem wichtig, dass ihre eigene Leistung positiv wahrgenommen wird.

Der Kommunikationsstil weiblicher Führungskräfte unterscheidet sich davon. Weibliche Chefs bereiten sich auf Entgegenkommendes vor und fragen: „Frau X, wäre es möglich, dass Sie die Unterlagen bis Ende der Woche fertig stellen können?“ Frauen vermeiden, ihr Gegenüber zu überfahren und formulieren kooperativer und offener. Frauen wollen ihr Team in Problemlösungen einbinden, sie setzen auf Kooperation. Also sagt sie: „Herr Y, Sie können das Problem so nicht lösen, weil… Vielleicht können wir uns gemeinsam Gedanken machen, wie eine Alternative aussehen könnte.“ Ziel ist ein harmonisches Miteinander, nicht die Konfrontation. Dafür hinterfragen Frauen auch die Motive und Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiter, um sie zu verstehen: „Frau Z., ich glaube wir haben schon mehrfach darüber gesprochen. Sie haben bisher die Präsentation nicht fertig gestellt. Was ist der Grund dafür?“

Statt zu monologisieren fördert der weibliche Ansatz die Vernetzung, denn er begünstigt den Austausch. Bei Erfolgen stellen Frauen die Leistung des Teams in den Vordergrund. Das sorgt für Commitment bei Mitarbeitern in einer immer flexibleren, von starren Einheiten und Zeiten losgelösten Arbeitswelt.

Doch wie wirken sich diese Führungsstile auf die neuen Arbeitswelten aus? Crowd Working und eine globale Verteilung von Teams stellen die Kommunikationsfähigkeit von Führungskräften auf eine harte Probe: Wem gelingt es, via Kommunikation ein erfolgreich arbeitendes Gefüge aus Mitarbeitern zu machen, die durch Tausende Meilen getrennt voneinander sind?

Herausforderung der Arbeitswelt: Kommunizieren im globalen Büro

Frankfurt, 7.30 Uhr morgens am Laptop zu Hause bei Mitarbeiter B. Ein Meeting mit Kollegen via Skype steht an: MA A sitzt zur selben Zeit mittags in New York und Kollege C zu nächtlicher Stunde in Hongkong. Während der New Yorker ausgeschlafen ist, hat C bereits einen 14-Stunden-Tag hinter sich. C ist müde und deshalb gereizt. Der Frankfurter B hingegen ist nervös. Er muss seine Kinder noch zur Schule bringen und hofft, dass der Skypetermin rasch vorübergeht. Unterschiedlichste Ausgangssituationen, die für ein gemeinsames Ziel trotzdem unter einen Hut gebracht werden müssen. Das Führen virtueller Teams erfordert besonderes Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. Ob Zeitverschiebung, die instabile Skypeverbindung voller Unterbrechungen oder schwer zu lösende Konflikte, weil wechselnde Teammitglieder, ein unpersönliches Arbeitsklima und fehlende persönliche Treffen eine harmonische Zusammenarbeit erschweren – die Herausforderungen für eine förderliche Kommunikation sind groß. Ein Chef, der hier nur Befehle erteilt im Stile von „Machen Sie, wann liefern Sie? Wieso ist das nicht passiert?“, wird schnell an Grenzen stoßen. Vor allem global agierende Teams müssen von Menschen geführt werden, die kommunizieren können. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gilt es, Störfaktoren so gering wie möglich zu halten.

Was können Männer von Frauen lernen, damit aus der Einbahnstraße ein Highway wird?

Auch wenn es heißt, durch Coaching oder Training lässt sich viel lernen empathische Kommunikation zu trainieren, ist harte Arbeit und funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. Frauen sind mit einem Bindungshormon ausgestattet, dass diese Fähigkeit erst möglich macht. Männer haben einen anderen Hormoncocktail, das Bindungshormon ist weniger ausgeprägt. Das schlägt sich sowohl aufs Bindungsverhalten als auch auf die Empathiefähigkeit nieder. Hinzu kommt, dass Frauen aufgrund ihrer Sozialisation auf Beziehungsverhalten „getrimmt“ werden. Wer Kinder bekommt, muss beziehungsfähig sein – anders würde die Aufzucht von Kinder nicht funktionieren.

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Frauen als Vorbild: Ihre Fähigkeit zu kommunizieren wird durch ihre Empathie unterstützt. (Bild: © vadim_key | fotolia.com)

Vermutlich geht der Anreiz zu kommunikativem Verhalten bei männlichen Chefs über das Prinzip Belohnung – wer verstanden hat, dass er mit gelungener Kommunikation Geld verdient und darüber Macht und Status erhält, wird einen Weg finden, kommunikative Verhaltensmuster zu implementieren. Mit anderen Worten: Männer müssen förderliche Kommunikationsweisen trainieren und dabei das Gefühl haben, dass eine Belohnung winkt.

Dieses Training funktioniert übrigens auch im Alltag, jenseits von Fortbildung oder Coaching: Liebe Männer, redet mit euren Frauen und Töchtern oder mit Kolleginnen. Holt euch Rückmeldungen dazu, wie eure Kommunikation ankommt: Werdet Ihr als Besserwisser, als Mann mit Machoverhalten oder als respektvoller Mensch wahrgenommen, der auch die Wünsche seines Gegenübers wahrnehmen und darauf eingehen kann? Wie wir alle wissen, klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung mitunter weit auseinander. Da, wo unser blinder Fleck am größten ist, herrscht der dringendste Optimierungsbedarf. Fakt ist: Miteinander Reden ist tragfähiger als einsam befehlen. Das gilt übrigens für Männer und Frauen – denn nicht selten landen auch weibliche Chefs in der Einbahnstraße. Also, keine Angst vor zu vielen Worten – nicht jede Anweisung braucht gleich ein ganzes Wörterbuch.

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