Studie

Side by Side: Frauenförderung – eine fatale Fehleinschätzung?

Erstmals systematisch ermittelt: Warum Frauen in Unternehmen zu wenig vorankommen oder auf Karriere verzichten

Martina Lackner, Psychologin und Autorin, hat eine psychologische Untersuchung quer durch Deutschlands Unternehmen initiiert, um zu ermitteln, worin der Widerstand der Frauen in Bezug auf Karriere und Führungspositionen besteht. Erste Erkenntnis der exklusiven Side by Side-Studie: Es gibt verborgene Strukturen im innerbetrieblichen Gefüge, die auf Angst und Gehorsam basieren und ein Vorankommen weiblicher Führungskräfte erschweren. Verschiedene Mechanismen auf psychologischer Ebene hemmen Frauen nicht nur, sondern beeinflussen unbewusst auch die Interaktionen auf allen Hierarchieebenen. Ein Phänomen, das auch Männer betrifft. Die Ergebnisse aus der Side by Side-Untersuchung machen deutlich: Das Genderthema ist nur ein Aspekt im Miteinander von Männern und Frauen, größere Themen wirken unter der Oberfläche – und verhindern Weiterentwicklung.

Vieles haben sämtliche Frauen, die Lackner und ihr Team bisher in ausgewählten Unternehmen in psychologisch fundierten Tiefeninterviews befragten, gemeinsam: Sie sind hervorragend qualifiziert, Topperformer aufgrund von Ausbildung und Position. Fast alle Befragten verfügen über akademische Abschlüsse. Jede vierte Frau sogar über zwei, meist in der Kombination Wirtschaft und Ingenieurwesen. Jede Fünfte hat zudem promoviert. Mehr als 40 Prozent von ihnen sind in Konzernen mit 20.000 bis hin zu 350.000 Mitarbeitenden beschäftigt. Doch weniger als jede Zehnte von ihnen hat es in die obere Führungsebene geschafft.

Eine Erkenntnis der Studie: Frauenförderung basiert auf einer psychologischen Verdrehung

Die befragten Frauen betrachten unternehmensinterne Frauenförderprogramme oft als Alibiaktion – die Auswahlkriterien scheinen häufig beliebig und subjektiv, nach Durchlaufen des Programms verharren die Teilnehmerinnen in Warteposition. Psychologisch gesehen stellen die Programme eine Verdrehung dar: Sie adressieren aufgrund eines Mangels einen Förderbedarf bei Frauen. Die Side by Side-Studie konnte jedoch bei den Probandinnen keine Mängel feststellen. Vielmehr handelt es sich um Zuschreibung des Unternehmens, das Frauen für mangelhaft hält. Aus der guten Absicht, Frauen zu stärken, resultiere das fatale Signal: Frauen sind defizitär, daher müssten sie gefördert werden. Was dazu führt, dass ein vermeintlicher Mangel umso mehr strukturell im Unternehmen etabliert wird, sowohl in der Wahrnehmung männlicher Kollegen und Führungskräfte als auch bei den Frauen selbst.

Ziel des Programms ist es, zu sagen, wir haben ein Frauenförderprogramm.

Im Spiegel der Erkenntnis

Wenn es um Förderbedürftigkeit geht, müssen Unternehmen in Betracht ziehen, dass Frauen UND Männer auf fachlicher oder persönlicher Ebene einen Trainings- und Entwicklungsbedarf haben. Nehmen Unternehmen nur den vermeintlichen Mangel von Frauen in den Fokus und lassen die Männer außer Acht, verfestigen sie die Ungleichheit – und erreichen genau das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollten.

Wir brauchen kein Frauenförderprogramm, wir brauchen ein Männerförderprogramm

Die Side by Side-Forscherinnen gehen davon aus, dass auf Seiten von Führungskräften unbewusste Widerstände herrschen, die auf Glaubenssätzen, Prägungen in der Herkunftsfamilie und deren Re-Inszenierungen in Unternehmenbasieren und das Handeln beeinflussen. Auch das Phänomen sogenannter transgenerationaler Übertragungen, bei denen traumatische Erfahrungen der Eltern- und Großelterngeneration das Denken, Fühlen und Handeln von Söhnen (und Töchtern) steuern, sei ein wichtiger Aspekt im Arbeitsalltag. Wer beide Geschlechter im Unternehmen weiterentwickeln wolle, müsse den Hebel auf Basis innerpsychischer Faktoren ansetzen, sind die Forscherinnen überzeugt.

Das Side by Side-Fazit: „Best of both“ – statt blind befördern

Frauen wollen Karriere machen, mit und ohne Kind – die Hemmnisse liegen nicht bei den Frauen, sondern sind in den verborgenen Strukturen des Unternehmens verankert. Die Side by Side-Untersuchung gibt Hinweise auf Hemmnisse, Stagnationen und Blockaden im Unternehmen. Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt nicht zuletzt von der Frage ab, wie sehr sie sich dieser Zusammenhänge bewusst sind. Die Corona-Krise wirkt derzeit wie ein Brennglas auf Probleme – bei Prozessen ebenso wie beim Personalmanagement. Die Zeit ist reif für ein radikales Umdenken bei der Personalförderung. Der erste Schritt ist ein Bewusstsein für das, was täglich auf den Fluren und Büros geschieht – und wie Frauen und Männer es erleben.

Ich bin schon weiter als die Unternehmen sind, das ist mein Problem.

Sie wollen mehr wissen? Die Side by Side-Erkenntnisse knüpfen an Ihren Unternehmensalltag an, sie sind auch für Nicht-Psychologen leicht zu verstehen und enthalten bereits vielfältige Denkanstöße. Martina Lackner und ihr Team entwickeln in weiterer Folge exklusive HR-Lösungen mit und für Ihr Unternehmen – damit „best of both“ gelebte Unternehmenskultur werden kann. Als Psychologin und gebürtige Österreicherin will Lackner bei aller Ernsthaftigkeit dem Thema Frauenförderung auch die Tragik nehmen: „Wir brauchen hier Psychologie zum Anfassen mit einfachen praktikablen Lösungen, sodass Unternehmen auf österreichisch sagen würden: Passt schooon!“

Sollten Sie Interesse haben an den gesamten Ergebnissen der Studie oder an HR-Lösungen, freue ich mich über ein persönliches Gespräch