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Sie wollen Kind und Karriere? Dann reden Sie nicht mehr mit Hausfrauen!

Frauen, die Kind und Karriere kombinieren, bekommen von Hausfrauen-Müttern eigentlich nur Steine in den Weg gelegt. Wenn das der Fall ist, ist es Zeit, sich neue Netzwerke zu suchen. Und sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Denn wenn Frauen sich im falschen Umfeld bewegen, teilen sie recht schnell auch die Wertvorstellungen und machen die Machtspiele mit, ohne sich ihrer bewusst zu sein. So befreien Sie sich aus der Falle: So schätzen Sie Netzwerke richtig ein und finden Ihren eigenen Weg.

Frauen und das falsche Umfeld

Ich hatte eine Nachbarin, die jedes Mal, wenn sie mich mit Kinderwagen durch die Gegend schieben sah, mit ihrem Kinderwagen hinterhergelaufen kam. Irgendwann konnte ich ihr nicht mehr entkommen, sie suchte Kontakt und hatte mich entdeckt. Unsere Gespräche waren eintönig: das Kind, die Windeln, die Krabbelgruppe und so fort. Ich hatte mich bis dato den Mütter-Krabbelgruppen und sonstigen Gruppen ferngehalten, es gab für mich schlichtweg keinen Grund, mich diesem Netzwerk anzuschließen. Nach mehrmaliger Aufforderung, mich ins Mütterzentrum zu besagten Runden zu begeben, bemerkte sie endlich meinen Widerstand und sagte: „Du wirst eines Tages auch noch im Mütterzentrum landen!“ Was für eine Drohung!

Sie behielt Unrecht. Ich habe mich für die Karriere und nicht fürs Mütternetzwerk entschieden. Mit einer einzigen Ausnahme – mit meiner angeborenen Neugier musste ich herausfinden, wie Mütter ihren Tag gestalten, worüber sie parlieren. Die nüchterne Erkenntnis: das Putzen, die Bügelwäsche und die Kotzerei ihrer Kinder.

Zurück zur Nachbarin: Sie war nicht meine Freundin, sondern ein Kontakt, der sich durch unseren Umzug zufällig ergeben hatte. Sie hatte als lose Bekannte überhaupt keinen Einfluss auf meine Entscheidungen. Wäre sie meine beste langjährige Freundin gewesen, hätte ich an diesem Punkt eine andere Entscheidung getroffen. Allerdings nicht so, wie Sie vielleicht vermuten: Nein, ich hätte diese Freundin nicht mehr. Freundinnen und Frauensolidarität können hilfreich und unterstützend sein, solange sich diese Frauen nicht bedroht fühlen. Was wollte mir meine Nachbarin mit ihrer Androhung sagen? Ich übersetze es Ihnen: „Mädel, wenn du glaubst, du bist zu Besserem geboren, täuschst du dich! Du landest irgendwann bei uns.“ Muss ich Ihnen noch mehr erklären? Ich habe mich durch meinen Widerstand gegen den Mainstream gestellt. Und das kam gar nicht gut an.

Wir suchen ein Gegenüber, das uns ähnelt

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Ein Hausfrauen-Bild, das viele haben: Der Haushalt ist Arbeit genug. Mütter gehören aber nicht einfach zu den Kindern. Eine Frau hat die Möglichkeiten, eigene Wege zu bestreiten – ohne eine schlechte Mutter zu sein. (Bild: © tiagozr | fotolia.com)

Freundschaften entstehen in dem Umfeld, in dem man groß wird: im Kindergarten, in der Schule, in der Wohngegend, im Verein, im Freundeskreis der Eltern. In diesem Setting suchen Menschen sich ein Gegenüber, das ihnen sympathisch ist, mit ähnlichen Interessen, ähnlichen Werten und ähnlichem Bildungshintergrund. Hier liegt die Misere für Frauen – wenn sie Kinder bekommen, schließen sie sich automatisch Netzwerken an, denen sich auch die Nachbarinnen, Freundinnen und Bekannten anschließen. Alle aus dem Umfeld machen das so. Und weil alle es machen, ist es nur logisch, dass man sich dem Umfeld anschließt.

Ein anderes Szenario: Frau hat studiert, Mutter hat studiert, die Freundinnen stammen aus dem Uninetzwerk. Viele aus dem Umfeld gehen gleich nach der Elternzeit wieder arbeiten, manche sogar schon vorher. Au-pairs, helfende Großeltern und Kinderkrippen gehören zum Alltag – die Karriere ist ein ausgesprochener oder unausgesprochener Konsens in dem sozialen Milieu, aus dem diese Frau kommt. Wobei nicht nur Akademikerinnen ihre Karriere trotz Kindern fortsetzen – sämtliche Frauen aus der ehemaligen DDR sind es gewohnt, auch mit Kindern arbeiten zu gehen. Alle haben es gemacht, weil es so gewollt war, warum sollen sie eine Gewohnheit und Haltung ändern?

Jedes Netzwerk hat seinen Zweck

Auch Frauen, die nicht oder nur wenig arbeiten, haben Netzwerke. Sinn und Ziel dieser Bündnisse sind jedoch anders gelagert als bei Businessnetzwerken. Hier geht es darum, Gleichgesinnte zu finden, um gemeinsam Zeit zu verbringen und Austausch zu haben. Dabei entwickeln sich Mütternetzwerke mitunter zu einer Art Leidensgemeinschaft, in der man sich gegenseitig die Kinder abnimmt, über lästige Schwiegermütter oder Ehemänner spricht, die gleich nach der Geburt plötzlich wieder Lust auf mehr Arbeit bekommen haben. Mütternetzwerke dienen dazu, einen Verlust an Status auszugleichen – Mutterschaft ist immer mit Statusverlust verbunden. Vielen hilft es dann, Leidensgenossinnen zu finden. Wenn man Netzwerkpartnerinnen hat, denen frau erzählen kann, dass die Ehe plötzlich schwierig geworden ist und es geht allen anderen im Netzwerk auch so, dann ist das Leiden nur noch halb so schlimm. Leistung und Karriere, Weiterentwicklung und Beförderungen haben in diesem Umfeld wenig Platz.

Was lässt sich daraus schließen? Die logische Konsequenz wäre, dass Frauen, die Karrierewünsche haben, sich Businessnetzwerken anschließen, weil der Kontext, aus dem sie kommen, sie beruflich nicht weiterbringen wird. Sie tun es aber oftmals nicht oder nur in unzureichendem Ausmaß. Warum?

Der Verlust von Solidarität als Bedrohung

Zunächst droht der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Frauen verlieren ganz schnell den solidarischen Rückhalt, wenn sie anders als ihre Freundinnen über Erfolg und Karriere sprechen und ihre Freizeit auch noch gern damit verbringen. Business-Netzwerktreffen finden nämlich auch abends und an Wochenenden in ganz Deutschland statt. Sie werden zu Außenseitern, wenn die Mehrheit anders tickt. Sie hören Sätze wie „Ich weiß nicht, was du hast? Du hast doch einen netten Mann und ein nettes Kind, außerdem einen Job, den du noch nebenher machen kannst, was willst du eigentlich?“ Mehr an Unverständnis kann Ihnen gar nicht entgegengebracht werden.

Irgendwann drehen die scheinbaren Freundinnen richtig hoch, wenn die Kinder der Karrierefrau plötzlich anfangen, Schwierigkeiten zu machen. „Ich habe es dir doch immer schon gesagt, du bist nie zu Hause, du arbeitest zu viel.“ Der solidarische Rückhalt funktioniert nur solange, wie die Frau im Sinne der Gemeinschaft funktioniert und sich unterordnet. Das Thema Unterordnungen kennen wir in der Literatur offiziell immer im Kontext von patriarchalischen Strukturen, selten im Frauenkontext. Frauen beherrschen diese Machtspiele aber genauso gut wie Männer, sie finden nur diffiziler statt. Und so gehen Frauen aus Angst vor Liebesverlust und dem Außenseitertum jenen potenten Netzwerken, die sie beruflich weiterbringen könnten, aus dem Weg.

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Kind und Karriere lassen sich durchaus kombinieren: Lassen Sie sich von den Machtspielen von Hausfrauen und Männern nicht unterkriegen. (Bild: © Miramiska | fotolia.com)

Knappe Zeit und Mutterinstinkt als natürliches Hindernis

Hinzu kommt, dass die zeitlichen Ressourcen von Müttern sehr begrenzt sind. Noch immer sind Haushalt und Kinderbetreuung Frauensache, wenn wir den Statistiken Glauben schenken, und so konzentrieren sie sich beruflich auf den Job an sich, zum Netzwerken bleibt keine Zeit und oft keine Energie mehr. Zu Hause warten dann schon Mann und Kind. Schließlich müssen noch Hausaufgaben gemacht, das Essen gekocht und die weiteren Tage geplant werden. Mit Netzwerken verdient man im ersten Schritt kein Geld, stimmt! Aber auch nur im ersten Schritt. Und weil das so ist, steht es nicht auf der Prioritätenliste von Frauen ganz oben.

Zudem stehen Frauen ihre Emotionen, ihr Mutterinstinkt und der gesellschaftliche Auftrag im Weg. Wenn Frauen das Gefühl haben, ihre Kinder seien nicht gut versorgt ‒ unabhängig davon, ob das den Tatsachen entspricht oder nicht ‒ lassen sie den Stift fallen und gehen. Und zwar nach Hause, Karriere hin oder her. Wenn Frauen Angst um ihre Kinder haben, weil die Väter zur Kindererziehung nicht fähig sind, das Essen kalt serviert und die Hausaufgaben nicht richtig gemacht, sind sie nicht zu bremsen. Und dann greift ein gesellschaftliches Bild: Eine Frau gehört eben doch zu den Kindern! Oder sind Sie hier, liebe Leserinnen, anderer Meinung?

Falls ja: Ich könnte Ihnen an dieser Stelle etwas über die Bedeutung von Businessnetzwerken erzählen, über die Fähigkeit von Männern zur Kindererziehung oder über den Neid von Freundinnen, wenn Sie beruflich die Karriereleiter hochklettern. Aber ich glaube, ich würde nur etwas erzählen, was Sie ohnehin schon wissen oder zumindest ahnen.

Die Loyalitätsfalle

Das, was Sie wirklich davon abhält, sich potenten beruflichen Netzwerken anzuschließen, liegt oft in der anerzogenen und gewünschten Selbstlosigkeit von Frauen, die in einer nicht enden wollenden Loyalität zum Partner, zu den Kindern, zur erweiterten Familie und zur Gesellschaft mündet. Sie tun das, was man von Ihnen erwartet, nämlich Verantwortung übernehmen ‒  auch dann, wenn niemand sie einfordert, schließlich sind Sie darauf trainiert. Und das impliziert, immer in Bereitschaft zu sein, den Stift fallen zu lassen, auf Karriere und Netzwerkabende zu verzichten.

Wie kommt man da heraus? Gar nicht, wenn Sie es nicht wirklich wollen. Verhaltensweisen aufzulösen, die auf dem Prinzip der Selbstlosigkeit basieren, funktioniert nur, wenn Sie sich ihrer bewusst sind und anfangen, Ihren ganz persönlichen Weg zu gehen, also Ihr Ego in den Vordergrund stellen. Dieser Bewusstwerdungsprozess ist eine schwierige Angelegenheit, weil Frauen, wenn man sie darauf anspricht, immer gleich reagieren: „Ich habe mich bewusst für Familie und Kind entschieden, warum soll ich Karriere machen? Mich hat niemand gezwungen.“ Frauen haben starke Abwehrmechanismen bei diesem Thema. Erst Jahre und Jahrzehnte später, nachdem der Partner das heilige Nest verlassen hat, die Kinder aus dem Haus und die Frau mit karger Rente alleine zurück bleibt, fangen solche Frauen an, aufzuwachen. Und das ist dann ein weitaus schmerzhafterer Prozess, als sich in jüngeren Jahren aus einem einschränkenden, hemmenden Umfeld herauszuarbeiten um eigene Ziele zu verfolgen.

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