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Von der elitären Männerwelt – und warum wir eine Frauenquote brauchen

Natürlich können sich Frauen in Firmen nach oben arbeiten. Aber bis zum Top-Management stoßen sie kaum vor – diese Welt bleibt Männerdomäne. Die Quote macht Frauen dort zwar nicht zu Clubmitgliedern, ist aber unerlässlich. Wenn Frauen sich in der elitären Männerwelt behaupten möchten, sollten Sie wissen, wie die Strukturen funktionieren, in die Sie vorstoßen. Denn auch, wenn Sie auf einem guten Weg nach oben sind, bleiben fünf bestimmte Regeln gültig, und das unabhängig von der Frauenquote.

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Trotz der Frauenquote bleibt die Führungsebene vieler Unternehmen von einer elitären Männerwelt eingenommen. (Bild: © Christian Stoll | fotolia.com)

Menschen haben fürs Hocharbeiten unterschiedliche Erfolgsstrategien: Freiwillige Mehrarbeit, Spät- und Nachtschichten, die als Überstunden deklariert sind, nützliche Kontakte, das richtige Business-Netzwerk oder die Bereitschaft, für einen Job umzuziehen. Und manchem kommt der Kollege Zufall, von manchen auch Schicksal genannt, zu Hilfe: eine Position, die plötzlich frei wird, weil jemand erkrankt, oder ein Markt, der sich rasant entwickelt und Positionen zu vergeben sind. Bis zu diesem Punkt unterscheiden sich die Karrierewege von Männern nicht wesentlich von denen der Frauen.

Doch ab der mittleren Managementebene gelten dann andere Regeln: Für Männer wird es schwierig, weil Toppositionen mit zunehmender Hierarchieebene rarer werden, und für Frauen, weil sie den Dreifachfaktor haben: die biologische Uhr, den Faktor Frau und weniger Stellen an der Spitze. Mann wie Frau kämpfen um ein rares Gut: die Topstellung. Genau an dieser Stelle beginnt eine Art Kastenwesen zu greifen. Das Kastenwesen ist laut Wikipedia ein religiös begründetes und legitimiertes soziales Phänomen der hierarchischen Anordnung und Abgrenzung von gesellschaftlichen Gruppen.

Die Kaste der elitären Männerwelt

Religiös begründet ist es hierzulande nicht, damit unterscheiden wir uns von Indien, aber es gibt eine klare Abgrenzung zwischen den Positionen in mittleren Management und den Elitepositionen im Topmanagement. Ihre Strukturen gleichen der einer Kaste: Wer nicht hineingeboren wird, dem wird der Zutritt verweigert. Das bedeutet im übertragenen Sinn: Toppositionen werden zwar nicht vererbt, aber in einem Kreis von Menschen vergeben, zu dem man gehören muss um die Chance eines Spitzenjobs zu erhalten. In diesem Zirkel kennt man sich vom Studium an der Harvard Uni, die Eltern gingen schon in Eliteschulen, die Kinder tun es wieder. Der Praktikumsplatz in der Vorstandsloge ist bereits zu Studienbeginn gesichert, der Job nach der Eliteschule ebenso. In diesen Kreisen will man unter sich bleiben. Nicht nur, weil die Arroganz und Überheblichkeit ein Statussymbol dieser Elite darstellt. Sondern weil man Geschäfte mit der Macht macht und dafür braucht es bestenfalls Mitwisser und Mitstreiter, aber mit Sicherheit keine Zaungäste. Zu viel Wissen um die Schattenseiten der Macht könnten unangenehme Fragen nach sich ziehen. Also bleibt man unter sich.

Mächtige Männer wollen unter sich bleiben

Und nun kommt das Geschlecht ins Spiel. Macht lag über Jahrhunderte hinweg bis auf wenige Ausnahmen weiblicher Herrscherinnen immer in den Händen von Männern in Machtzirkeln. Frauen scheitern nicht an der gläsernen Decke allein, weil sie Frauen sind. Frauen scheitern, weil sie durch den Aufstieg in Toppositionen Zutritt zu Machtzirkeln mit ihren eigenen Regeln, ihren eigenen Statussymbolen, oft auch eigenen Gesetzen haben wollen. Mit anderen Worten: Zutritt in eine vom Volk abgegrenzte männliche Kaste.

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Frauenquote hin oder her: Es ist ein großer Unterschied, ob frau etwas bewegen kann oder auf einem Posten nur geduldet wird. (Bild: © nd3000 | fotolia.com)

Eintrittskarte Quote ‒ Zutritt ja, Zugehörigkeit nein

Mit einer Quotenregelung können sich Frauen Zutritt zu diesen Welten verschaffen, aber sie gehören deswegen noch lange nicht dazu. Wer nicht „hineingeboren“ wird, wird Außenseiter bleiben. Ein Fremder, der eigentlich auf den Stühlen der Macht nichts zu suchen hat. Notfalls bleiben Aufsichtsratspositionen eben unbesetzt, von Vorstandspositionen ganz zu schweigen.

Trotzdem: Wir brauchen die Quote, damit Frauen überhaupt die Chance haben, Zutritt zu diesen Machtzirkeln zu bekommen. In der Hoffnung, dass diese ihrerseits junge Frauen in Führung bringen werden. Wobei das noch nicht geschrieben steht – wenn Frauen in Toppositionen wie Männer agieren, bleibt abzuwarten, ob sie sich dann noch erinnern, dass sie eine Frau sind, oder aber Angst davor haben, die schwer errungene Machtposition nicht an eine jüngere potenzielle Konkurrentin zu verlieren.

Der Weg in die Machtzirkel – fünf Regeln, die Sie kennen sollten

  1. Sie brauchen einen Mentor, unabhängig davon, ob Sie eine Quotenfrau sind oder nicht. Sind Sie keine, haben Sie ohne Mentor fast keine Chance auf eine Quotenposition. Sind Sie eine – dann brauchen Sie den Mentor, der Ihnen den Stuhl sichert. Denn nur, weil Sie darauf sitzen, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie darauf auch lange sitzen werden.
  2. Sie müssen bereit sein, absolute Loyalität zu zeigen, unabhängig davon, was Sie in diesen Zirkeln erleben werden. Eine Mitwisserin wird bestenfalls geduldet. Eine Verräterin niemals. Und der Verrat beginnt schon damit, dass Sie sich bei strittigen Entscheidungen der Stimme enthalten.
  3. In diesen Zirkeln geht es um Macht, Geld, Einfluss und Frauen. An diesem Punkt wird es richtig delikat – wenn es zum Beispiel um Firmenfeiern in bestimmten Etablissements geht, müssen Sie für sich entscheiden, ob Sie daran teilnehmen. An diesem Punkt wird deutlich sichtbar, dass Sie aufgrund Ihres Geschlechts eine Außenseiterin sind.
  4. Frauen, die es in Vorstandspositionen schaffen, müssen sich im Klaren darüber sein, dass sie von den männlichen Kollegen getestet werden. Wer nicht wirklich hart im Nehmen ist, sich durchsetzen kann und die Testspiele durchschaut, wird es schwer haben.
  5. Auch im Olymp sind nicht alle gleich. Wenn schon eine Frau im Vorstand sein muss, dann auf Personalsvorstandsstellen, denn dort haben sie weniger Einfluss und Macht als auf anderen Vorstandspositionen. Die strategisch wichtigen Positionen bleiben trotzdem den Männern vorbehalten.

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