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Was Männer von Frauen im Job lernen können

Künftig arbeiten wir weniger im Büro und mehr im Home Office – das wird die Arbeitswelt verändern. Männer können hier einiges von Frauen lernen. Das betrifft gerade auch die Art zu führen: Weibliche Bosse haben einen ganz anderen Zugang zur Zusammenarbeit im Team als Männer. Über den richtigen Umgang mit dem Machtgehabe, das auch heute vorherrscht.

Ein Besprechungsraum, irgendwo in Deutschland. Mitarbeiter und Führungskräfte diskutieren über ein neues Vorhaben. Doch wie wird am Ende entschieden? Haut der Chef auf den Tisch und entscheidet oder löst das Team gemeinsam den Knoten?

Wenn Sie durch die Brille geschlechtsbezogener Führung blicken, werden Sie erkennen: Männer und Frauen in Toppositionen unterscheiden sich in ihrem Führungsstil nicht mehr wesentlich. Beide Geschlechter sind dominant, durchsetzungsstark und machtbezogen. Das belegen auch jüngste Studien. Die Führungsstile in der obersten Etage haben sich angenähert zum sogenannten Unisex-Führungsstil. Dass es sehr wohl Unterschiede gibt, zeigt sich im mittleren Management. Hier könnten Männer von Frauen lernen.

Männlich und weiblich lässt sich beim Führungsstil meist abgrenzen: Frauen wollen Ergebnisse erzielen, sie diskutieren auf inhaltlicher Ebene und versuchen konsensorientiert zu entscheiden. Die Teamentscheidung steht über der Einzelentscheidung, auch wenn Entscheidungsprozesse sehr lange dauern.

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Auch im virtuellen Arbeitsraum und entgegen eingestaubter Hierarchien können Männer einiges von Frauen lernen. (Bild: © Africa Studio | fotolia.com)

Männer hingegen geben in Meetings zwar die offizielle Devise „Das müssen wir lösen hier haben wir ein Problem!“ aus, doch auf der Beziehungsebene geht es in männlich geführten Diskussionsrunden eher um die Frage, „wer höher und weiter pinkeln“ kann. So trifft in männlich geprägten Teams jener die Entscheidung, der die Macht für sich in Anspruch nehmen kann. Dies kann der Leader sein, der aufgrund seiner Position mit Macht ausgestattet ist, oder aber auch ein Teammitglied, das sich in die Position des informellen Leaders gebracht hat. Macht geht über Position und Status, aber auch über Wissen, Kontakte, oder mentale Stärke.

Das Arbeiten verändert sich

Doch die Arbeitswelt verändert sich: Home Office ersetzt starre Bürozeiten, wir arbeiten vernetzter, Kommunikation via Telefon und Internet tritt an die Stelle von Gesprächen in verstaubten Einzelbüros. Meetings in der Zukunft werden nicht mehr in den Räumlichkeiten eines Bürogebäudes mit einem Team stattfinden, das seit Jahren zusammenarbeitet. Sie finden im Netz statt – in einem luftleeren Raum, in dem sich die einzelnen Teammitglieder zwar hören und auch sehen können, die emotionale und persönliche Nähe aber zwischen den agierenden Personen nicht mehr gegeben ist.

Fakt ist: Wir agieren künftig wesentlich unpersönlicher. Wir werden projektbezogen, nicht teambezogen arbeiten. Ein Team verabredet sich für eine gewisse Zeitdauer zur Lösung einer bestimmten Aufgabenstellung. Ist der Zweck erfüllt, formieren sich Teams neu. Bindungen auf beruflicher Ebene werden dadurch lose. Arbeitsverhältnisse werden nunmehr zu Zweckgemeinschaften, die sich wieder auflösen, sobald sie ihr Ziel erreicht haben.

Von Frauen lernen: Was bedeutet das für den Führungsstil?

Der Glaube an starre Hierarchien wird sich schnell überleben. Denn wer Macht wirkungsvoll ausüben will, braucht ein reales Gegenüber. Die Wirkung von Macht via Internet geht in der Dimension, wie wir sie bisher kennen, verloren. Da kann der Chef in der Video-Konferenz noch so poltern, es besteht keine emotionale Nähe zwischen Entscheidungsträger und Mitarbeiter. Und damit verliert der Chef die Macht. Für Mitarbeiter wird es dadurch leichter, sich eines machtvollen Chefs zu entziehen, wenn sie nicht physisch präsent sein müssen. Macht braucht ein Gegenüber doch im virtuellen Arbeitsraum können Mitarbeiter leichter abtauchen.

Hinzu kommt: Chefs, die unter der Prämisse des eigenen Vorteils führen, brauchen ein Umfeld, das eine gewisse Unwilligkeit, fehlende Motivation oder gar Unfähigkeit mitträgt oder gar vertuscht. Verschleierungsaktionen und Inkompetenz werden künftig früher auffallen. Das hat selbstverständlich sowohl für männliche als auch für weibliche Fehlbesetzungen in der Führungsriege Konsequenzen.

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Gerade männliche Führungskräfte können unter anderem in Sachen Kommunikation vieles von Frauen lernen: Gemeinsame Ziele sollten im Vordergrund stehen. (Bild: © nd3000 | fotolia.com)

Die Digitalisierung wird eine neue Führungskultur hervorbringen – und zwar eine, die unterm Strich dem weiblichen Führungsstil näher ist als dem männlichen: Machtansprüche werden redundant, Arbeitsinhalte und Ergebnisse hingegen gewinnen an Bedeutung. Denn abseits von festgelegten Bürozeiten und Anwesenheit werden sich nicht nur Mitarbeiter wandeln sondern auch Chefs. Männer werden nicht mehr durch Macht führen können. Doch was können Männer von Frauen lernen?

Teilen statt Herrschen: Schluss mit dem Machtgehabe!

Die Bedeutung, die Frauen den Menschen hinter einer Aufgabe beimessen, ist meist eine höhere als Männer dies üblicherweise tun. Frauen sind in der Lage, das eigene Ego zugunsten eines gemeinsamen Ziels in den Hintergrund zu stellen, sich in unterschiedliche Menschen einzufühlen und ihnen entsprechend zu begegnen.

Männer müssen für eine erfolgreiche Führung in der Zukunft oft noch lernen, ihr Gegenüber auch ohne Machtgehabe wahrzunehmen und zu respektieren, also auf gleicher Augenhöhe. In der virtuellen Arbeitswelt geht es nicht ums Herrschen, sondern ums Teilen: nämlich dem Teilen von Informationen und Kompetenzen. Je mehr wir lernen zu teilen, desto erfolgreicher werden wir.

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