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Wenn Frauen Karriere machen wollen, brauchen sie einen guten Selbstwert!

Frauen sind immer noch die Ausnahme auf Deutschlands Chefsesseln. Das Problem: Frauen haben sich zu lange als Erfüllungsgehilfin von Männern im Job gesehen. Doch das lässt sich ändern: Insbesondere das Gefühl von Selbstwert ist enorm wichtig auf dem Weg, sich von eingestaubten Vorstellungen zu befreien. Selbstwert kann und muss trainiert werden. Diese Steigerung hängt allerdings von einer großen Portion Eigeninitiative ab.

Frauen in Führungspositionen sind noch immer eine Seltenheit in Deutschlands Chefetagen. Wo die Frauenquote versucht gegenzusteuern, gibt es Hindernisse, die eher zwischen den Ohren der Frauen als auf den Sesseln der Entscheidungsträger sitzen. Mit anderen Worten: Die Unterrepräsentanz weiblicher Chefs ist nicht nur eine Frage der Realitäten, sondern auch der Mentalitäten. Böse gesagt: Frauen rutschen häufig in eine Rolle, in der sie gar nicht stecken wollen.

Im Normalfall trifft ein Alphatier im Job auf eine Erfüllungsgehilfin: Ein Chef hat weibliche Angestellte, seine Sekretärinnen, seine Assistentinnen, seine Gruppenleiterinnen und Abteilungsleiterinnen. Diese stehen im Status aufgrund ihrer Funktion immer unter ihm. Der Status der Erfüllungsgehilfin zur Entscheidungsträgerin verändert sich erst mit dem Aufstieg von einer Hierarchieebene zur nächsten. Je weiter oben, desto weniger ist die weibliche Führungskraft eine Dienende, auch wenn sie Gesellschaftern und Aufsichtsräten verpflichtet ist. Sie wächst mehr und mehr in eine Machtrolle hinein. In diesem Prozess wird das wahre Drama von Frauen erst sichtbar.

Selbstwert ist wichtig für die berufliche Entwicklung

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Unser Selbstwert hängt maßgeblich von dem Feedback ab, das wir bekommen. (Bild: © Robert Kneschke | fotolia.com)

Eine Frau, die lange nur dient, reduziert den Selbstwert. Wer mit einem guten Selbstwert ein Dienstverhältnis im jungen Erwachsenenalter anfängt, und dann auch in den weiteren Jahren an seinem Wert arbeitet, stellt schneller Forderungen, tut seine Karrierepläne kund, ist flexibel, was Arbeitsinhalte anbelangt und arbeitet sich nach oben. Erfolge stellen sich ein, das Schicksal ist gnädig, man wird nach oben gezogen und der Selbstwert wächst. Das Leben ist wie eine Leiter, die erklommen werden muss, denkt sich eine Frau mit einem guten Selbstwert. So werden Alphafrauen geboren.

Frauen mit geringem Selbstwert denken: Wie soll ich das bloß schaffen, meine Kollegen, der Chef, der lange Dienstweg, der Stau und noch mein Mann, der auf sein Abendbrot wartet, während ich noch am Schreibtisch sitze und dann auch noch die Kinder? Sie sieht vor allem Schwierigkeiten – und bleibt, wo sie ist. Ihr Selbstwert bleibt auch dort, wo er sich in diesem Moment befindet, nämlich im Keller. Wodurch soll es auch zu einer Steigerung kommen?

Wer seinen eigenen Wert nicht kennt und diesen auch nicht in den Vordergrund stellt, bleibt da, wo das Schicksal ihn oder sie hinsetzt. Kennen Sie Ihren Wert? Wissen Sie, was sie beruflich täglich bewegen? Wie Sie Kind und Karriere hinbekommen? Und trotzdem noch ein Lächeln für Ihre Mitmenschen übrig haben?

Wenn Frauen zur Gefahr für Männer werden

Die Krux dabei ist: Wer als Frau zu schnell und zu stark seine Alphaqualitäten zeigt, kann mitunter scheitern, weil die männlichen Alphatiere, die über ihre weiteren Wege entscheiden, Angst vor starken und kompetenten Frauen haben. Sie wird geblockt und auf Eis gelegt, sozusagen geparkt, bis der nächste Entscheidungsträger ihre Qualitäten erkennt oder sich ihrer erbarmt. Frauen lassen sich meist lange parken, weil sie das Spiel ihrer Chefs nicht durchschauen – sie denken, wenn ich nur genügend leiste, entwickelt sich die Karriere schon. Fehlanzeige. Denn die Karriere hängt nicht allein von der Leistung ab.

Woher kommt der geringe Selbstwert?

Bis 1958 hatte der Ehemann das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder inne. Auch wenn er seiner Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er ihren Lohn. Das änderte sich erst schrittweise. Noch bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein eigenes Bankkonto eröffnen. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen. Kennen Sie diese Zahlen? Eine Frau hatte bis Ende der 60er Jahre faktisch überhaupt keine Rechte. Wir schreiben das Jahr 2017, dazwischen liegt nicht einmal ein Menschenleben. Woher sollen Frauen für sich einen hohen Wert in Anspruch nehmen, wenn sie von Müttern erzogen worden sind, die keine Rechte hatten und von Vätern, die ihre Mütter unterdrückt haben? Menschen, die selbst einen geringen Selbstwert besitzen, sind kaum in der Lage, das bei der nächsten Generation zu fördern.

Unsere Gesellschaft hat ein Systemproblem

Was glauben Sie, wie hoch eine Frau ihren eigenen Wert einschätzt, wenn sie nach zehnjähriger Abwesenheit aus dem Job wegen Kinderbetreuung wieder ins Berufsleben einsteigt, nachdem ihr Mann sie verlassen hat? Selbstwert und Selbstvertrauen steigen über eine positive Bewertung von außen, in Form von Anerkennung, Geld, Lob, Statussymbolen und über Erfolgserlebnisse. Wie viel Wert wird einer Mutter beigemessen, weil sie zehn Jahre ihre Kinder betreut hat?

Hinter dem Selbstwertproblem verbirgt sich ein anderes Thema: Unsere Gesellschaft hat ein Systemproblem. Das, was wir meinen als Problem bei Frauen zu erkennen, ist in Wahrheit die Antwort auf eine gesellschaftliche Situation.

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Dass Frauen zu einem geringeren Selbstwert tendieren, ist ein gesellschaftlich erzeugtes Phänomen. (Bild: © Jacob Lund | fotolia.com)

Folgen Sie mir gedanklich in ein Szenario: Stellen Sie sich vor, alle Mütter würden plötzlich aufhören, ihre Kinder und Eltern zu betreuen. Alle Erzieherinnen und Altenpflegerinnen würden plötzlich aufhören zu arbeiten. Und zwar von einem Tag auf den anderen.

Begründung: Nachdem der Staat die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fordert und fördert, ist ein Kind nicht mehr reine Privatangelegenheit eines Paares. Da der Staat Kinder braucht, um das Rentensystem zu finanzieren, wird das Thema Kind zur Staatsangelegenheit.

Was wäre, wenn Frauen auf die Idee kämen, für diese staatliche Forderung Geld zu verlangen? Das Müllabfuhrpersonal bekommt Geld, die Verwaltungsbeamten bekommen Geld, warum nicht auch Frauen, die sich entscheiden, ganz im Sinne eines Staates Kinder zu bekommen und diese sogar noch über die Elternzeit hinaus tagsüber zu betreuen? Was würde passieren, wenn Frauen aufhören würden in unterbezahlten Jobs zu arbeiten? Keine Altenpflege mehr, keine Verkäuferin und auch keine Erzieherin? Von einem Tag auf den anderen? Unser Finanzminister hätte viel zu tun, um das entstandene Loch zu stopfen.

Der Fehler liegt im System

Unsere Gesellschaft ist darauf aufgebaut, dass Frauen unentgeltlich oder für wenig Geld arbeiten. Es ist so gewollt. Wer hätte in so einem System wirklich Interesse daran, dass Frauen ihren Wert erkennen und plötzlich Forderungen stellen? Ein paar Karrierefrauen kann eine Gesellschaft noch verkraften, aber Millionen von Frauen?

Zurück zu meiner Eingangsthese: Wir sagen Frauen ein Selbstwertproblem nach, aber das Problem, das sie scheinbar haben, ist, dass sie in einem System leben und arbeiten, das nur so funktioniert, wie es funktioniert, weil sich Frauen an mehr oder weniger unausgesprochene Regeln dieser Gesellschaft halten. Wer als Frau zu viele Forderungen stellt, beruflich und privat, bringt unser System ins Wanken. Welche Frau will schon verantwortlich sein für einen Zusammenbruch von Familie und Gesellschaft? Schuldgefühle sind die ersten Emotionen, die Frauen haben, wenn man sie damit konfrontiert. Und Schuldgefühle, glauben Sie mir, zwingen Frauen in die Knie. Jeder Karriereplan, jeder Wunsch nach Weiterentwicklung, löst sich bei Frauen auf, wenn man sie an ihrem schwächsten Punkt erwischt, der Schuld. Schuld woran?

Wie sich der Selbstwert steigern lässt

Selbstwert muss trainiert werden, wenn er in der Kindheit und im jungen Erwachsenenalter nicht gefördert wurde. Trainieren Sie – jeden Tag. Selbstwert steigert sich nicht automatisch. Er braucht Lob und Anerkennung, und wenn es nur kleine Erfolge sind, um zu wachsen. Loben Sie sich selbst, und warten sie nicht, bis das Lob von außen kommt.

Selbstwertsteigerung findet nur in einem Umfeld statt, das eine ausgesprochene oder unausgesprochene Erlaubnis dazu gibt. Ein Umfeld, das Sie persönlich nicht wachsen lässt, ist der Tod für Ihren Selbstwert, also suchen Sie sich ein Umfeld, das Ihnen Wertschätzung ausgesprochen oder auch unausgesprochen entgegenbringt.

Selbstwertsteigerung ist nur dann möglich, wenn das Umfeld einen guten Selbstwert hat. Ein trauriges Thema. Und hier beginnt der Teufelskreis: Meine Empfehlung von Punkt 2 hat einen Haken – Wertschätzung entgegenbringen können nur Menschen, die selbst einen hohen Selbstwert haben. Ein Mensch, der aus dem emotionalen Defizit heraus agiert, kann und wird Sie nie stärken und unterstützen. Er ist dazu gar nicht in der Lage. Menschen zu finden, die Sie stärken wollen, privat wie beruflich, gleicht manches Mal einer Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen.

Geben Sie nie auf, weder mit der Suche nach solchen Menschen noch mit dem Wunsch einen Wert zu bekommen. Was Sie sich immer selbst geben können, ist der Wert, den Sie aus sich selbst schöpfen können. Dafür brauchen Sie keinen Chef, keinen Mann und keine Mutter.

 

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